Wie finde ich den richtigen Ausbildungsplatz?
Die Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz braucht Zeit – und das ist völlig in Ordnung. Für autistische junge Menschen ist es besonders wichtig, einen Beruf zu finden, der zu den eigenen Stärken und Bedürfnissen passt. Dabei gibt es viele Unterstützungsangebote, die den Weg erleichtern.
Eigene Stärken und Interessen als Ausgangspunkt
Der erste Schritt ist, sich die eigenen Stärken und Interessen bewusst zu machen. Autistische Menschen bringen oft besondere Fähigkeiten mit: Detailgenauigkeit, logisches Denken, Zuverlässigkeit oder tiefes Fachwissen in bestimmten Bereichen. Überlege:
- Welche Themen faszinieren dich besonders?
- Arbeitest du lieber allein oder im Team?
- Bevorzugst du ruhige oder aktive Arbeitsumgebungen?
- Welche sensorischen Bedürfnisse hast du (Lärm, Licht, Gerüche)?
- Wie wichtig ist dir eine feste Struktur im Arbeitsalltag?
Praktika zum Ausprobieren
Praktika sind eine hervorragende Möglichkeit, verschiedene Berufsfelder kennenzulernen, ohne sich sofort festlegen zu müssen. So kannst du herausfinden, ob ein Beruf im Alltag wirklich zu dir passt. Viele Betriebe bieten kurze Schnupperpraktika von ein bis zwei Wochen an. Auch über die Agentur für Arbeit oder den Integrationsfachdienst können Praktikumsplätze vermittelt werden.
Integrationsfachdienst (IFD)
Der Integrationsfachdienst ist eine spezialisierte Beratungsstelle, die bei der beruflichen Eingliederung hilft. Die Fachberaterinnen und Fachberater:
- Unterstützen bei der Suche nach geeigneten Ausbildungsplätzen
- Begleiten bei Vorstellungsgesprächen
- Beraten Arbeitgeber zum Thema Autismus
- Helfen bei Problemen während der Ausbildung
- Vermitteln bei Konflikten am Arbeitsplatz
Reha-Beratung der Agentur für Arbeit
Die Agentur für Arbeit bietet eine spezielle Reha-Beratung an. Dort wird gemeinsam geschaut, welche beruflichen Möglichkeiten es gibt und welche Unterstützung benötigt wird. Die Reha-Beratung kann verschiedene Maßnahmen vermitteln – von Berufsorientierung über Ausbildungsbegleitung bis hin zur Finanzierung einer Ausbildung im Berufsbildungswerk.
Unterstützte Beschäftigung
Für Menschen, die eine reguläre Ausbildung (noch) nicht schaffen, gibt es die Unterstützte Beschäftigung nach § 55 SGB IX. Dabei wird direkt in einem Betrieb gearbeitet – mit individueller Begleitung durch einen Job-Coach. Das Ziel ist ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Die Maßnahme dauert in der Regel bis zu zwei Jahre.
Berufsbildungswerke
Wenn eine betriebliche Ausbildung zu herausfordernd erscheint, kann ein Berufsbildungswerk (BBW) eine gute Alternative sein. Dort findet die Ausbildung in einem geschützten Rahmen statt, mit sozialpädagogischer und therapeutischer Begleitung. Mehr dazu findest du in Frage 65.
Lass dich nicht unter Druck setzen. Es ist völlig okay, verschiedene Wege auszuprobieren, bevor du den richtigen findest. Nutze die Beratungsangebote der Agentur für Arbeit und des Integrationsfachdienstes – sie sind kostenlos und können den Weg deutlich erleichtern.
Quellen
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