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Wie funktioniert Studieren mit Autismus?

Ein Studium mit Autismus ist absolut möglich – und viele autistische Menschen bringen Stärken mit, die im akademischen Umfeld besonders wertvoll sind: tiefes Interesse an Spezialthemen, analytisches Denken und hohe Konzentrationsfähigkeit. Gleichzeitig kann der Uni-Alltag mit seinen sozialen Anforderungen, dem Lärm in Vorlesungssälen und der unstrukturierten Tagesgestaltung herausfordernd sein. Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Unterstützungsangebote.

Beratungsstellen an jeder Hochschule

Jede Hochschule in Deutschland hat eine Beratungsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung. Dort bekommst du vertrauliche Beratung zu allen Fragen rund ums Studium mit Autismus. Die Beraterinnen und Berater kennen sich mit den Möglichkeiten an der jeweiligen Hochschule aus und können individuell helfen. Zusätzlich gibt es die Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) des Deutschen Studentenwerks, die bundesweit berät.

Nachteilsausgleich bei Prüfungen

Autistische Studierende haben Anspruch auf Nachteilsausgleiche bei Prüfungen. Das können zum Beispiel sein:

  • Verlängerte Bearbeitungszeit (typischerweise 25–50 % mehr)
  • Ein separater, reizarmer Prüfungsraum
  • Abgeänderte Prüfungsformen (z. B. schriftlich statt mündlich oder umgekehrt)
  • Flexiblere Abgabefristen für Hausarbeiten

Der Nachteilsausgleich wird beim Prüfungsamt beantragt. Dafür braucht man in der Regel ein aktuelles ärztliches Attest oder einen Nachweis der Diagnose.

Studienassistenz

Eine Studienassistenz kann als Leistung der Eingliederungshilfe beantragt werden. Die Assistenz unterstützt im Studienalltag – zum Beispiel bei der Organisation, bei der Orientierung auf dem Campus oder als Begleitung in sozialen Situationen. Der Antrag wird beim zuständigen Träger der Eingliederungshilfe gestellt.

Flexible Studiengestaltung

Viele Hochschulen bieten flexible Möglichkeiten, das Studium an die eigenen Bedürfnisse anzupassen:

  • Teilzeitstudium: Weniger Kurse pro Semester, dafür mehr Zeit insgesamt
  • Individuelle Studienverlaufspläne: Abweichung von der Regelstudienzeit ohne Nachteile
  • Online-Angebote: Vorlesungsaufzeichnungen und digitale Lernmaterialien können den Besuch voller Hörsäle ersetzen
  • Ruhige Lernräume: Viele Bibliotheken bieten Einzelarbeitsplätze oder Stillarbeitsräume
Frühzeitig Kontakt aufnehmen!

Nimm am besten schon vor Studienbeginn Kontakt zur Beratungsstelle deiner Wunschhochschule auf. So können Nachteilsausgleiche und Unterstützungsleistungen rechtzeitig organisiert werden. Viele Hochschulen bieten auch Orientierungstage speziell für Studienanfänger mit Behinderung an.

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