Start Vorschule Frage 11

Was ist sensorische Überempfindlichkeit und wie helfe ich meinem Kind?

Autistische Menschen verarbeiten Sinnesreize oft anders als neurotypische Menschen. Was für andere normal ist, kann für Ihr Kind unerträglich intensiv oder kaum wahrnehmbar sein.

Die verschiedenen Sinne

Es gibt mehr als die klassischen fünf Sinne. Bei Autismus können alle betroffen sein:

  • Hören: Geräusche, Lautstärke, bestimmte Frequenzen
  • Sehen: Licht, Farben, Bewegungen, Muster
  • Riechen: Gerüche (oft sehr intensiv wahrgenommen)
  • Schmecken: Geschmacksrichtungen, Texturen von Essen
  • Tasten: Berührungen, Texturen von Kleidung, Temperatur
  • Vestibulär: Gleichgewicht, Bewegung
  • Propriozeption: Körperwahrnehmung, Druck
  • Interozeption: Innere Signale (Hunger, Toilette, Schmerz)

Überempfindlichkeit vs. Unterempfindlichkeit

Sensorische Besonderheiten können in beide Richtungen gehen - und sogar wechseln:

Überempfindlichkeit (Hypersensibilität)

  • Reize werden zu intensiv wahrgenommen
  • Alltägliche Geräusche sind schmerzhaft laut
  • Bestimmte Texturen sind unerträglich
  • Führt oft zu Vermeidung und Rückzug

Unterempfindlichkeit (Hyposensibilität)

  • Reize werden weniger wahrgenommen
  • Suche nach intensiven Sinneseindrücken
  • Schmerz wird spät oder nicht bemerkt
  • Kann zu "riskantem" Verhalten führen

Häufige sensorische Herausforderungen

Situation Mögliche Hilfe
Laute Umgebungen Gehörschutz, Kopfhörer
Grelles Licht Sonnenbrille, gedimmtes Licht
Kratzig Kleidung Weiche Stoffe, Etiketten entfernen
Bestimmte Texturen beim Essen Akzeptieren, langsam erweitern
Berührungen Vorher ankündigen, Wahlfreiheit

Praktische Hilfen im Alltag

Sensorische Werkzeuge

  • Gehörschutz-Kopfhörer (auch für Kinder erhältlich)
  • Gewichtsdecke oder Gewichtsweste (propriozeptiver Input)
  • Fidgets und Stressbälle
  • Sonnenbrillen oder Schirmmützen
  • Weiche, nahtlose Kleidung
  • Kaubare Anhänger (Chewelry)

Umgebungsanpassungen

  • Ruhige Rückzugsorte schaffen
  • Beleuchtung anpassen (keine Neonröhren)
  • Hintergrundgeräusche reduzieren
  • Vorwarnung bei lauten Ereignissen
💡 Sensorische Diät

Eine "sensorische Diät" bedeutet, regelmässig die Sinnesbedürfnisse des Kindes zu befriedigen. Manche Kinder brauchen viel Bewegung und Druck, andere viel Ruhe. Beobachten Sie, was Ihrem Kind gut tut, und baün Sie es in den Alltag ein.

Was ist Stimming?

Stimming (selbststimulierende Verhaltensweisen) hilft bei der Regulation:

  • Handflattern, Schaukeln, Drehen
  • Geräusche machen, Summen
  • An Gegenständen riechen oder lecken
  • Bestimmte Bewegungsmuster wiederholen

Stimming ist wichtig und sollte nicht unterdrückt werden! Es hilft bei Stressregulation und Konzentration.