Kommunikation ist mehr als Sprechen. Jeder Mensch kommuniziert - auch wenn er nicht spricht. Es gibt viele Wege, sich auszudrücken und verstanden zu werden.
Wichtige Grundhaltung
Ob Ihr Kind mit Worten, Bildern, Gesten oder Verhalten kommuniziert - alle Formen sind gleichwertig. Das Ziel ist nicht "normales Sprechen", sondern effektive Kommunikation, die zu Ihrem Kind passt.
Unterstützte Kommunikation (UK)
Unterstützte Kommunikation umfasst alle Methoden, die das Sprechen ergänzen oder ersetzen:
Körpergebundene Kommunikation
- Gebärden: Vereinfachte Gebärden (z.B. GuK, MAKATON)
- Mimik und Gestik: Zeigen, Nicken, Kopfschütteln
- Körperhaltung: Zuwendung, Abwendung
Nicht-elektronische Hilfsmittel
- Bildkarten (PECS): Bilder zum Zeigen und Tauschen
- Kommunikationstafeln: Sammlung wichtiger Symbole
- Kommunikationsbücher: Umfangreichere Symbolsammlungen
- Ja/Nein-Karten: Einfache Antwortmöglichkeiten
Elektronische Hilfsmittel
- Sprachausgabegeräte (Talker): Geben bei Knopfdruck Sprache aus
- Tablet-Apps: MetaTalkDE, GoTalk NOW, TD Snap
- Augensteuerung: Für Kinder mit motorischen Einschränkungen
Wie Sie die Kommunikation im Alltag fördern
Sprachliche Anpassungen
- Sprechen Sie langsam und deutlich
- Verwenden Sie kurze, klare Sätze
- Geben Sie Zeit zum Verarbeiten und Antworten
- Wiederholen Sie bei Bedarf
- Vermeiden Sie zu viele Fragen
Visuelle Unterstützung
- Unterstreichen Sie Worte mit Gesten oder Bildern
- Nutzen Sie Bildpläne für Routinen
- Zeigen Sie, wovon Sie sprechen
- Bieten Sie Auswahlmöglichkeiten visuell an
Kommunikationsanlässe schaffen
- Lieblingsspielzeuge außer Reichweite, aber sichtbar
- Kleine Portionen geben, damit das Kind nachfragen kann
- Warten und dem Kind die Chance geben zu initiieren
- Auf alle Kommunikationsversuche reagieren
Professionelle Unterstützung
- Logopädie: Sprachtherapie, auch für nicht-sprechende Kinder
- UK-Beratungsstellen: Spezialisiert auf alternative Kommunikation
- Autismus-Therapiezentren: Kommunikationsförderung als Schwerpunkt
- Hilfsmittelberatung: Bei Krankenkassen oder Reha-Diensten
Ein weit verbreiteter Irrtum: Unterstützende oder alternative Kommunikation verhindert die Sprachentwicklung nicht. Im Gegenteil - sie kann sie fördern, weil das Kind Erfolge erlebt und motiviert wird. Sprechen und UK schliessen sich nicht aus.
Kommunikation verstehen
Auch wenn Ihr Kind nicht spricht, kommuniziert es ständig:
- Durch Verhalten (Hinlaufen, Wegziehen)
- Durch Körpersprache (Anspannung, Entspannung)
- Durch Geräusche und Laute
- Durch Blicke und Gesten
Lernen Sie, diese Signale zu lesen. Sie sind genauso wertvoll wie Worte.