Wie gehe ich mit Diskriminierung und Stigma um?

Autistische Erwachsene erleben häufig Diskriminierung und Stigmatisierung — am Arbeitsplatz, im Gesundheitswesen, bei der Wohnungssuche oder im sozialen Umfeld. Es ist wichtig, die eigenen Rechte zu kennen und zu wissen, wo Unterstützung verfügbar ist. Gleichzeitig gilt: Selbstfürsorge hat Priorität — nicht jede Schlacht muss gekämpft werden.

Formen von Diskriminierung

  • Am Arbeitsplatz: Benachteiligung bei Einstellung, Beförderung oder Kündigung aufgrund der Diagnose; fehlende Anpassungen trotz Anspruch
  • Im Gesundheitswesen: Nicht-Ernst-Nehmen von Beschwerden, fehlendes Wissen über Autismus, Verweigerung von Anpassungen
  • Bei der Wohnungssuche: Ablehnung aufgrund des Behindertenausweises oder sichtbarer autistischer Verhaltensweisen
  • Im sozialen Umfeld: Ausgrenzung, Mobbing, abwertende Kommentare, Infragestellen der Diagnose

Rechtlicher Schutz durch das AGG

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt Menschen vor Diskriminierung aufgrund einer Behinderung — und Autismus fällt darunter. Das AGG gilt:

  • Bei der Arbeit (Bewerbung, Einstellung, Beförderung, Kündigung)
  • Bei Alltagsgeschäften (Einkauf, Dienstleistungen, Verträge)
  • Bei der Wohnungssuche

Wenn Sie diskriminiert werden, können Sie sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden: Tel. 0800 546 546 5 (kostenfrei, Mo–Do 9–15 Uhr).

Was tun bei Diskriminierung?

  • Dokumentieren: Vorfall schriftlich festhalten — Datum, Ort, beteiligte Personen, was genau passiert ist, eventuelle Zeugen
  • Beratung suchen: Antidiskriminierungsstelle, Behindertenbeauftragter, Sozialverband VdK oder SoVD
  • Am Arbeitsplatz: Schwerbehindertenvertretung oder Betriebsrat einschalten
  • Rechtliche Schritte prüfen: Bei schwerwiegenden Fällen kann eine Klage nach dem AGG sinnvoll sein (Frist: 2 Monate nach dem Vorfall)

Umgang mit Stigma

Stigma ist oft subtiler als offene Diskriminierung — abwertende Witze, Mitleid, Unterschätzung oder die Erwartung, sich „normal" zu verhalten. Strategien im Umgang:

  • Community suchen: Der Austausch mit anderen autistischen Menschen zeigt, dass man nicht allein ist
  • Eigene Grenzen respektieren: Es ist in Ordnung, nicht ständig aufzuklären oder zu kämpfen
  • Selektive Offenlegung: Sie bestimmen selbst, wem Sie von Ihrer Diagnose erzählen
  • Psychische Gesundheit schützen: Chronischer Stress durch Diskriminierung kann krank machen — therapeutische Unterstützung nutzen