Start Vorschule Frage 17

Wie beantrage ich einen Pflegegrad für mein autistisches Kind?

Autistische Kinder haben oft Anspruch auf einen Pflegegrad. Die Begutachtung bewertet nicht nur körperliche Einschränkungen, sondern auch den Betreuungs- und Begleitungsbedarf.

Wer hat Anspruch?

Ein Pflegegrad wird vergeben, wenn das Kind einen erheblich höheren Betreuungsbedarf hat als gleichaltrige Kinder. Bei Autismus betrifft das oft:

  • Anleitung und Begleitung bei alltäglichen Verrichtungen
  • Strukturierung des Tagesablaufs
  • Bewältigung von Stresssituationen
  • Kommunikation und soziale Interaktion
  • Emotionale Regulation

Schritt für Schritt zum Pflegegrad

1. Antrag stellen

  • Formloser Antrag bei Ihrer Krankenkasse (Pflegekasse)
  • Per Telefon, Brief oder online
  • Die Kasse schickt dann ein Formular

2. Vorbereitung auf die Begutachtung

  • Pflegetagebuch führen: Notieren Sie 2-3 Wochen lang, wobei Sie Ihr Kind unterstützen
  • Dokumente sammeln: Diagnosen, Arztberichte, Therapieberichte
  • Liste erstellen: Alle Bereiche, in denen Ihr Kind Unterstützung braucht
💡 Wichtig: Vergleich mit gleichaltrigen Kindern

Bei Kindern wird immer verglichen: Was kann ein Kind dieses Alters normalerweise alleine, und was braucht Ihr Kind zusätzlich? Beschreiben Sie konkret den Mehraufwand, nicht nur was Ihr Kind nicht kann.

3. Die Begutachtung (MD-Besuch)

Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes kommt zu Ihnen nach Hause:

  • Zeigen Sie einen realistischen Alltag (keinen besonders guten Tag)
  • Beschreiben Sie konkrete Situationen und Beispiele
  • Erklären Sie, was passiert, wenn keine Anleitung erfolgt
  • Erwahnen Sie auch nächtliche Bedarfe

Die 6 Module der Begutachtung

  • Mobilität: Fortbewegung, Treppensteigen
  • Kognitive Fähigkeiten: Orientierung, Entscheidungen, Risiken erkennen
  • Verhaltensweisen: Herausforderndes Verhalten, Ängste, Aggressionen
  • Selbstversorgung: Waschen, Anziehen, Essen, Toilette
  • Krankheitsbewältigung: Medikamente, Arztbesuche, Therapien
  • Alltagsgestaltung: Tagesablauf, Kontakte, Veränderungen

Bei Autismus besonders relevant

  • Ständige Anleitung und Erinnerung bei Routinen
  • Begleitung bei sensorischer Überlastung
  • Unterstützung bei Kommunikation
  • Strukturierung des Tagesablaufs
  • Bewältigung unerwarteter Situationen
  • Prävention von Meltdowns/Shutdowns

Was tun bei Ablehnung oder zu niedrigem Pflegegrad?

  • Innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen
  • Begründung anfordern
  • Beratung holen (EUTB, Sozialverband, Pflegestützpunkt)
  • Ggf. erneute Begutachtung beantragen

Quellen und weiterführende Informationen