Der Weg zur Autismus-Diagnose kann lang und emotional herausfordernd sein. Hier erfahren Sie, was Sie erwartet und wie Sie sich vorbereiten können.
Wer stellt die Diagnose?
Eine Autismus-Diagnose wird in der Regel von spezialisierten Fachleuten gestellt:
- Sozialpädiatrische Zentren (SPZ): Interdisziplinäre Teams mit viel Erfahrung in Entwicklungsdiagnostik
- Kinder- und Jugendpsychiater/innen: Niedergelassen oder in Kliniken
- Autismus-Therapiezentren: Bieten oft auch Diagnostik an
- Universitätskliniken: Spezialisierte Ambulanzen
Die Wartezeiten für eine Diagnostik können leider sehr lang sein - oft 6-18 Monate. Melden Sie Ihr Kind frühzeitig an, auch wenn Sie noch unsicher sind. Eine Anmeldung verpflichtet zu nichts.
Ablauf der Diagnostik
1. Anamnesegespräch
Ausführliches Gespräch mit den Eltern Über:
- Schwangerschaft und Geburt
- Frühkindliche Entwicklung (Meilensteine)
- Aktuelle Verhaltensweisen und Herausforderungen
- Familiengeschichte
- Alltag in Kita, Familie und anderen Kontexten
2. Verhaltensbeobachtung
Das Kind wird in verschiedenen Situationen beobachtet. Häufig verwendete Instrumente:
- ADOS-2: Diagnostische Beobachtungsskala - ein standardisiertes Spielszenario
- Freies Spiel und strukturierte Situationen
- Interaktion mit den Eltern und den Untersuchenden
3. Entwicklungs- und Intelligenztests
Je nach Alter und Entwicklungsstand:
- Allgemeine Entwicklungstests
- Sprachtests
- Kognitive Tests
4. Fragebogen
Standardisierte Fragebogen für Eltern und ggf. Erzieher:
- ADI-R (Autism Diagnostic Interview)
- SRS (Social Responsiveness Scale)
- Weitere spezifische Fragebogen
5. Körperliche Untersuchung
Zum Ausschluss anderer Ursachen und zur Erfassung von Begleiterscheinungen:
- Neurologische Untersuchung
- Ggf. Hörtest
- Bei Bedarf genetische Untersuchungen
Ab welchem Alter ist eine Diagnose möglich?
Theoretisch ab ca. 18-24 Monaten, stabil meist ab 2-3 Jahren. Viele Diagnosen werden jedoch erst im Kindergarten- oder Schulalter gestellt. Eine spätere Diagnose ist kein Versäumnis - Autismus zeigt sich manchmal erst, wenn die sozialen Anforderungen steigen.
Was passiert nach der Diagnose?
- Ausführliches Abschlussgespräch mit Erklärung der Ergebnisse
- Schriftlicher Bericht
- Empfehlungen für Förderung und Unterstützung
- Hinweise auf Anlaufstellen und nächste Schritte
- Führen Sie ein Tagebuch mit Beobachtungen und Beispielen
- Sammeln Sie Videos von typischen Situationen
- Bringen Sie Berichte aus Kita oder Frühförderung mit
- Notieren Sie Ihre Fragen vorher
- Nehmen Sie sich Zeit - hetzen Sie den Prozess nicht