Die frühe Erkennung von Autismus kann entscheidend sein, um Ihrem Kind die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Dabei ist es wichtig zu verstehen: Autismus ist keine Krankheit, sondern eine neurologische Variante. Die frühe Identifizierung ermöglicht es, die Umgebung und Kommunikation besser an die Bedürfnisse Ihres Kindes anzupassen.
Wichtiger Hinweis zur Heterogenität
Autismus zeigt sich bei jedem Kind anders. Es gibt nicht "den typischen Autisten". Manche Kinder zeigen deutliche Anzeichen, bei anderen sind sie subtiler. Besonders bei Mädchen werden Anzeichen oft Übersehen, da sie häufig anders ausgeprägt sind. Vertrauen Sie Ihrer elterlichen Intuition - wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas anders ist, lohnt sich eine Abklärung.
Mögliche frühe Anzeichen (ab 12-18 Monaten)
Soziale Kommunikation
- Blickkontakt: Weniger oder anders gestalteter Blickkontakt - manche Kinder meiden ihn, andere nutzen ihn anders als erwartet
- Reaktion auf Namen: Das Kind reagiert nicht oder verzögert, wenn sein Name gerufen wird
- Gemeinsame Aufmerksamkeit: Weniger Zeigen auf interessante Dinge oder Teilen von Freude (z.B. weniger "Schau mal!")
- Soziales Lächeln: Weniger oder anders geartetes reaktives Lächeln auf Bezugspersonen
Sprache und Kommunikation
- Verzögerte Sprachentwicklung oder ungewöhnliche Sprachmuster
- Echolalie (Wiederholen von gehörten Wörtern oder Sätzen)
- Weniger Brabbeln oder Plappern im Babyalter
- Schwierigkeiten, Gesten wie Winken oder Zeigen zu nutzen
Verhalten und Interessen
- Intensive, fokussierte Interessen an bestimmten Themen oder Objekten
- Wiederholende Bewegungen (Stimming) wie Händeflattern, Schaukeln, Drehen
- Starkes Bedürfnis nach Routinen und Vorhersehbarkeit
- Ungewöhnliche Reaktionen auf sensorische Reize (Geräusche, Texturen, Lichter)
Spielverhalten
- Aufreihens von Spielzeugen statt klassischem Spielen
- Fokus auf Details oder bestimmte Teile von Spielzeug (z.B. Räder drehen)
- Weniger oder anderes Fantasie- und Rollenspiel
- Präferenz für Alleinspiel
Das Vorhandensein einzelner Anzeichen bedeutet nicht automatisch Autismus. Viele Verhaltensweisen können auch bei neurotypischen Kindern auftreten. Entscheidend ist das Gesamtbild und die Konstellation verschiedener Merkmale. Eine professionelle Diagnostik bringt Klarheit.
Was unterscheidet Anzeichen von normaler Entwicklungsvariation?
Entwicklung verläuft individuell. Ein Kind, das später spricht, ist nicht automatisch autistisch. Achten Sie auf:
- Die Kombination mehrerer Anzeichen
- Die Beständigkeit der Verhaltensweisen
- Die Intensität der Reaktionen
- Wie das Kind insgesamt mit seiner Umwelt interagiert
Wann sollte ich handeln?
Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt, wenn Sie sich Sorgen machen. Frühe Unterstützung kann sehr hilfreich sein - nicht um das Kind zu "normalisieren", sondern um es in seiner Entwicklung optimal zu begleiten. Die U-Untersuchungen beim Kinderarzt beinhalten bereits Entwicklungsscreenings.
Bei Verdacht auf Autismus können Sie sich an folgende Stellen wenden:
- Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin
- Ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ)
- Eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Praxis oder Ambulanz
- Autismus-Therapiezentren in Ihrer Nähe