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Teenager

Wie gehe ich mit dem Wunsch nach Autonomie versus Schutzbedürfnis um?

In der Pubertät wächst bei allen Jugendlichen der Wunsch nach Eigenständigkeit – bei autistischen Teenagern ist dieses Thema oft besonders herausfordernd. Einerseits brauchen sie in vielen Bereichen noch Unterstützung, andererseits verdienen sie die gleiche Chance auf Selbstbestimmung wie ihre Altersgenossen. Die richtige Balance zwischen Schutz und Freiheit zu finden, gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben für Eltern.

Warum Autonomie so wichtig ist

Selbstständigkeit ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis – auch für autistische Jugendliche. Wer nie lernt, eigene Entscheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu erleben, entwickelt kein gesundes Selbstvertrauen. Der Elternratgeber von autismus Deutschland e.V. betont: Fördern Sie Ihr Kind im richtigen Maß – reagieren Sie nicht überängstlich, trauen Sie ihm etwas zu, aber verlangen Sie nicht etwas, das es nicht leisten kann. Überbehütung kann dazu führen, dass Jugendliche sich hilflos fühlen und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten verlieren.

Schrittweise Freiräume schaffen

Der Schlüssel liegt in kleinen, gut begleiteten Schritten. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Teenager, in welchen Bereichen mehr Eigenverantwortung möglich ist:

  • Alltagsentscheidungen übergeben: Kleidung auswählen, das eigene Zimmer gestalten oder das Mittagessen planen – solche Entscheidungen stärken das Selbstbewusstsein ohne großes Risiko.
  • Wege allein bewältigen: Den Schulweg, den Einkauf im Supermarkt oder den Weg zur Therapie schrittweise eigenständig zurücklegen lassen – zuerst begleitet, dann mit Rückfallnetz (z. B. Handy).
  • Grenzen gemeinsam verhandeln: Statt Regeln einseitig vorzugeben, besprechen Sie diese zusammen. Autistische Jugendliche verstehen Regeln besser, wenn die Gründe dahinter logisch nachvollziehbar sind.
  • Realistische Ziele setzen: Setzen Sie erreichbare Therapie- und Entwicklungsziele. So werden Fortschritte schneller sichtbar und motivieren beide Seiten.

Wann Schutz weiterhin nötig ist

Autonomie bedeutet nicht, alle Grenzen aufzugeben. In Situationen, in denen echte Gefahren bestehen – etwa im Straßenverkehr, bei Kontakten mit Fremden im Internet oder bei gesundheitlichen Risiken – bleiben Sie klar und verlässlich. Prüfen Sie regelmäßig die Umgebung auf mögliche Gefahrenquellen und passen Sie den Schutzrahmen an den jeweiligen Entwicklungsstand an.

💡 Tipp

Vermeiden Sie Schuldzuweisungen – gegenüber sich selbst und anderen Familienmitgliedern. Die Gratwanderung zwischen Schutz und Freiheit ist schwer, und es ist völlig normal, dabei auch Fehler zu machen. Denken Sie auch an sich: Nur erholt und entspannt haben Sie genug Kraft für Ihre Familie. Elternberatung, Selbsthilfegruppen oder eine Kurzzeitpflege können wertvolle Entlastung bieten.

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