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Wie gehe ich mit Einsamkeit und sozialer Isolation um?

Einsamkeit ist schmerzhaft – und viele autistische Erwachsene kennen dieses Gefühl nur zu gut. Studien zeigen, dass autistische Menschen häufiger von sozialer Isolation betroffen sind. Aber: Du bist damit nicht allein, auch wenn es sich gerade so anfühlt. Und es gibt Wege, die Situation zu verändern.

Alleinsein ist nicht gleich Einsamkeit

Zuerst eine wichtige Unterscheidung: Alleinsein und Einsamkeit sind nicht dasselbe. Viele autistische Menschen brauchen und genießen Zeit für sich – das ist gesund und völlig normal. Einsamkeit entsteht erst, wenn du dir mehr soziale Kontakte wünschst, als du hast. Wenn das Alleinsein nicht gewollt ist, sondern sich aufdrängt.

Online-Kontakte zählen

Soziale Kontakte müssen nicht persönlich vor Ort stattfinden, um wertvoll zu sein. Online-Freundschaften, Chats und Foren-Gespräche sind echte Beziehungen. Für viele autistische Menschen ist die schriftliche Kommunikation sogar angenehmer, weil Mimik und Gestik keine Rolle spielen. Finde Online-Räume, in denen du dich wohlfühlst – etwa bei Aspies e.V. oder in Foren zu deinen Interessen.

Interessenbasierte Gruppen suchen

Der leichteste Einstieg in soziale Kontakte führt über gemeinsame Interessen. In einem Verein, einem Kurs oder einer Online-Gruppe zu deinem Lieblingsthema hast du automatisch ein Gesprächsthema. Der Druck, Smalltalk machen zu müssen, fällt weg.

  • Volkshochschulkurse zu deinen Interessen
  • Sportvereine oder Wandergruppen
  • Gaming-Communities und Online-Clans
  • Maker Spaces und Bastelgruppen

Autismus-Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen für autistische Erwachsene sind ein besonders geschützter Raum. Hier musst du dich nicht erklären oder verstellen. Die anderen verstehen, wie es sich anfühlt – weil sie es selbst kennen. Viele Gruppen treffen sich auch online, was den Einstieg leichter macht.

Tagesstruktur hilft

Einsamkeit verstärkt sich oft durch fehlende Struktur. Wenn jeder Tag gleich leer aussieht, wird es schwer, etwas zu ändern. Plane feste Aktivitäten ein – auch kleine: ein wöchentlicher Spaziergang, ein regelmäßiger Online-Treff, ein fester Einkaufstag. Struktur gibt Halt und schafft Ankerpunkte im Alltag.

Professionelle Hilfe

Wenn die Einsamkeit anhält und du dich zunehmend niedergeschlagen oder hoffnungslos fühlst, kann das auf eine Depression hindeuten. Scheue dich nicht, professionelle Hilfe zu suchen – bei einer Therapeutin, einem Arzt oder einer Beratungsstelle. Bei akuter Krise erreichst du die Telefonseelsorge kostenlos und anonym unter 0800 111 0 111 (rund um die Uhr, auch per Chat und Mail).

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