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15.05.2026

Mai-Treffen – Fortschritte, Frust und Fidgets

Online-Treffen 15. Mai 2026

Unser Mai-Treffen fand online statt – und wir waren diesmal eine kleine, sehr feine Runde. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht am Wochenende vor uns. Aber genau diese kleine Runde hat uns einen Abend beschert, der zwischen ganz vielen Gefühlen geschwankt ist: still und berührend, frustrierend und wütend – und am Ende richtig komisch.

Fortschritte sehen, die anders aussehen

Wir haben uns lange über die Fortschritte unserer Kleinen ausgetauscht. Es war schön zu hören, was bei den anderen Kindern gerade passiert, was sich entwickelt, was sich verändert.

Dabei wurde noch einmal sehr deutlich: Bei autistischen Kindern gibt es immer Fortschritte. Sie sehen halt nur anders aus als das, was wir gelernt haben zu erwarten. Wer diese andere Form von Fortschritt nicht sehen kann, verpasst die glücklichen Momente, die einen als Eltern stolz machen.

Diese Momente sind manchmal so klein, dass Außenstehende sie gar nicht bemerken würden. Ein Satz mehr beim Abendessen. Ein Wechsel der Kleidung ohne Meltdown. Eine Begegnung, die nicht in einem Rückzug endet. Wer mit den gängigen Maßstäben auf unsere Kinder schaut, sieht das alles nicht. Wer aber bewusst hinguckt – und nicht vergleicht –, wird reich beschenkt.

Auch wir entwickeln uns

Was uns besonders berührt hat: Wir haben auch darüber gesprochen, wie wir als Eltern selbst Fortschritte machen. Wie wir uns verändern. Wie wir lernen, anders hinzuschauen, anders zu reagieren, anders zu denken.

Ein Vater sagte an diesem Abend einen Satz, der hängengeblieben ist:

Ich lerne momentan mehr von meinem Sohn als andersrum.

Ein schöner Satz. Und vielleicht der ehrlichste Hinweis darauf, was diese Reise mit uns macht: Sie verändert uns. Sie lässt uns ablegen, was wir geglaubt haben über Lernen, über Erziehung, über Erfolg. Und sie schenkt uns eine neue Klarheit darüber, was wirklich zählt.

Das Schulsystem – und ein Spiel, das alle mitspielen

Natürlich haben wir uns auch wieder etwas Luft über das Schulsystem gemacht. Es ist immer wieder dasselbe. Und das macht es noch frustrierender.

Eigentlich wissen alle im System Schule, dass es keinen geeigneten Ort für unsere Kinder gibt. Trotzdem spielt jeder Beteiligte sein Spiel mit – ausgenommen die Eltern und die Kinder selbst. Es werden Tests vorgeschlagen, die die Kinder nachweislich vermeiden. Es wird überlegt, ob Medikamente helfen könnten, damit die Kinder sich besser fügen. Es geht oft nicht darum, ein Kind zu verstehen oder ihm einen Ort zu geben, an dem es sich entfalten kann. Es geht darum, dass das System weiterläuft.

Das ist traurig. Denn eigentlich ist es das System, das wir ändern müssen – nicht unsere Kinder.

Unser Wunsch wäre einer, der eigentlich naheliegt: Dass Angestellte im Schulamt, die es besser wissen müssten, offen sagen, wenn sie nicht helfen können. Dass sie nicht das Spiel mitspielen, damit es irgendwie weitergeht und Regeln eingehalten werden. Sondern dass sie Missstände offen anprangern. Dass sie sich zu unseren Kindern stellen, statt sich hinter Vorschriften zu verstecken.

Unsere Kinder sind keine Verwaltungsakte.

Solange Familien wie unsere die Einzigen sind, die laut werden, verändert sich nichts. Wir brauchen Verbündete innerhalb des Systems. Menschen, die ihren Job riskieren, weil sie wissen, dass etwas grundsätzlich falsch läuft. Das ist viel verlangt – und es bleibt trotzdem unser Wunsch.

Und dann – Fidgets

Zum Schluss wurde es aber auch nochmal richtig locker. Wir haben uns über Fidgets ausgetauscht – was bei welchem Kind gerade gut funktioniert, welche Modelle taugen, welche nicht.

Und dann kam dieser Moment, der den Abend perfekt zusammengefasst hat: Wir haben uns am Ende gegenseitig gestanden, dass wir während des gesamten Calls alle mit den Fidgets unserer Kinder gespielt haben. Jeder Einzelne von uns.

Was soll man dazu sagen? Vielleicht das: Wir verstehen unsere Kinder besser, als wir manchmal glauben. Und manchmal sind wir ihnen ähnlicher, als uns klar ist.

Es war ein schöner Abend.