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17.07.2026

Juli-Treffen – Fallbesprechung, Meltdowns und der eigene Notfallplan

Online-Treffen 17. Juli 2026

Unser Juli-Treffen fand wieder online statt – und es war ein besonderes. Zum ersten Mal haben wir eine richtige Fallbesprechung gewagt. Ein mutiges Mitglied hat uns eine konkrete Meltdown-Situation geschildert, die es so oder so ähnlich zu Hause erlebt hat. Und dann haben wir gemeinsam darauf geschaut.

Diese Offenheit ist nicht selbstverständlich. Es gehört Mut dazu, einen der schwersten Momente des Familienalltags vor anderen auszubreiten. Genau deshalb war der Abend so wertvoll.

„Kennen wir das?“ – Ja.

Die erste Frage in die Runde war einfach: Kennen wir diese Situation? Der Spoiler vorweg: Ja. Jede und jeder von uns konnte sofort andocken. Wir haben von ähnlichen Momenten aus unseren eigenen Familien erzählt – und davon, wie wir reagiert haben. Oder wie wir im Nachhinein gerne reagiert hätten.

Allein das hat schon gutgetan. Zu hören, dass die eigene Ohnmacht in solchen Momenten nichts mit Versagen zu tun hat, sondern etwas ist, das wir alle teilen, nimmt viel Druck. Niemand musste sich erklären. Niemand wurde bewertet. Wir haben einfach unsere Erfahrungen nebeneinandergelegt und geschaut, was wir voneinander lernen können.

Die wichtigste Erkenntnis: ein eigener Notfallplan

Aus dem Austausch ist eine Erkenntnis besonders herausgestochen: Es lohnt sich, einen Notfallplan – einen inneren Fahrplan – für die immer wiederkehrenden Stresssituationen zu haben.

Denn das ist das Entscheidende: Die meisten dieser Situationen wiederholen sich immer und immer wieder. Sie sind vorhersehbar. Wir wissen im Grunde ganz genau, dass es an bestimmten Punkten wieder eskalieren wird – beim Anziehen am Morgen, beim Zähneputzen, beim Verlassen des Spielplatzes, beim Wechsel von einer Aktivität zur nächsten.

Wenn etwas so vorhersehbar ist, können wir uns darauf vorbereiten – in Ruhe, wenn gerade kein Sturm tobt. Und hier kam ein zweiter wichtiger Gedanke auf: Es hilft enorm, solche Szenarien mit dem Partner oder der Partnerin durchzusprechen. Oder, wer allein erzieht, sie für sich selbst durchzudenken.

Ein paar Fragen, die dabei helfen:

  • Welche Situationen triggern mich zuverlässig?
  • Wie will ich mich in diesem Moment verhalten – was ist für mich richtig?
  • Was braucht mein Kind dann wirklich, und was brauche ich selbst, um ruhig zu bleiben?
  • Wer übernimmt was, wenn wir zu zweit sind?

Wenn man sich diese Antworten einmal in einem ruhigen Moment überlegt hat, ist man im Ernstfall nicht völlig ausgeliefert. Man hat eine Richtung.

Zum Weiterlesen

Wir haben die Ideen aus diesem Abend in zwei ausführlichen FAQ-Artikeln aufgeschrieben:

Es muss nicht jedes Mal gelingen

Ganz wichtig war uns an diesem Abend aber auch: So ein Fahrplan ist keine Garantie. Es gelingt einem nicht immer. Und das ist in Ordnung.

Der eigentliche Wert des Plans liegt oft in der Reflexion danach. Wenn eine besonders stressvolle Situation vorbei ist, hilft der Fahrplan, ehrlich hinzuschauen: Was ist passiert? Wo bin ich meinem Vorsatz treu geblieben, wo nicht? Was nehme ich mir für das nächste Mal vor?

Man darf sich selbst verzeihen – und es beim nächsten Mal wieder versuchen.

Diese Haltung entlastet. Sie nimmt den Perfektionsdruck und ersetzt ihn durch etwas viel Tragfähigeres: die Bereitschaft, immer wieder neu anzufangen. Unsere Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Sie brauchen Eltern, die dranbleiben.

Zeit für sich – und für die Partnerschaft

Zum Schluss haben wir uns noch etwas ganz Praktisches gegeben: gegenseitige Tipps, wie man im Familienalltag überhaupt wieder zu Zeit für sich selbst und für die Partnerschaft kommt. Denn wer dauerhaft am Limit läuft, hat irgendwann nichts mehr zu geben.

Ein Gedanke, der mehrfach fiel: Manchmal muss man sich in bestimmten Situationen bewusst trennen – nicht als Paar, sondern in der konkreten Aufgabe. Das gute alte „Wir machen alles gemeinsam“ ist nicht immer das Klügste.

Das beste Beispiel ist die Schlafsituation. Viele von uns kennen die Variante, in der beide Eltern im Elternbett bleiben und sich Nacht für Nacht abwechseln, wer aufsteht. Das Ergebnis: Am Ende sind beide erschöpft. Oft ist es klüger, wenn einer für eine Weile mit dem Kind „auszieht“ – ins Kinderzimmer, ins Nebenzimmer –, damit wenigstens einer von beiden richtig schläft. Und dann tauscht man tageweise oder wochenweise, statt jede Nacht.

Ein paar weitere Ideen aus der Runde:

  • Feste Übergaben statt ständiger Bereitschaft: Zum Beispiel übernimmt einer den Samstagvormittag komplett, der andere hat wirklich frei – und umgekehrt am Sonntag. Nicht „irgendwie zusammen“, sondern klar geregelt.
  • Kleine Inseln fest einplanen: Ein Spaziergang allein, eine halbe Stunde mit Kopfhörern, eine Tasse Kaffee auf dem Balkon, bevor das Haus wach wird. Kurz, aber verlässlich.
  • Paarzeit bewusst schaffen: Wenn abends keine Kraft mehr da ist, hilft manchmal ein Vormittag zu zweit – auch wenn dafür Unterstützung von außen organisiert werden muss.

Der gemeinsame Nenner all dieser Ideen: Sich zu entlasten ist kein Egoismus. Es ist die Voraussetzung dafür, dass wir für unsere Kinder da sein können – ruhig, geduldig und über lange Zeit.

Es war ein Abend, der Mut gemacht hat. Danke an das Mitglied, das den Anfang gewagt hat – und an alle, die so offen mitgedacht haben.