August-Treffen – Pubertät und Autismus: das Minenfeld des Loslassens
Unser August-Treffen fand wieder im „Treff im Lindengarten“ (TiL) in Wismar statt. Es waren noch Ferien, und so waren wir diesmal nur zu dritt. Klein – aber genau das hatte seinen Reiz.
Denn eine kleine Runde hat einen großen Vorteil: Man kann sich in aller Ruhe und ganz in die Tiefe mit einem einzigen Thema beschäftigen, statt an der Oberfläche vieler Themen zu bleiben. Genau das haben wir getan.
Pubertät und Autismus – ein kompliziertes Minenfeld
Unser Thema an diesem Abend war die Pubertät. Ein kompliziertes Minenfeld – und eines, das viele von uns gerade sehr beschäftigt.
Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir als Eltern vor allem eines gelernt: unsere Kinder zu beschützen. Wir haben oft erlebt, wie schwer der Alltag für sie sein kann. Wir haben gesehen, wo sie anstehen, wo sie Überforderung erleben, wo die Welt ihnen zu viel wird. Das hat uns geprägt – als helfende Eltern. Wir haben verinnerlicht, dass unsere Kinder unsere Unterstützung brauchen.
Und dann kommt die Pubertät. Plötzlich gehen unsere Kinder hinaus in die Welt. Sie wollen gar nicht mehr, dass wir helfen. Sie wollen es selbst versuchen – so, wie es ihr gutes Recht ist.
Wir müssen lernen loszulassen – obwohl wir jahrelang gelernt haben festzuhalten.
Als Eltern wissen wir, dass wir diesen Wunsch nach Selbstständigkeit respektieren müssen. Und wir wollen das auch. Aber hier liegt die eigentliche Schwierigkeit: In einer neurotypischen Welt verschwinden die Barrieren und das mangelnde Verständnis für unsere Kinder nicht einfach, nur weil sie älter werden. Die Hürden bleiben – nur sind wir nicht mehr selbstverständlich an ihrer Seite, um sie abzufedern.
Dieses Spannungsfeld – zwischen dem Recht auf Autonomie und der realen Verletzlichkeit in einer Welt, die unsere Kinder oft nicht versteht – auszuhalten, ist eine der größten Aufgaben dieser Lebensphase. Eine einfache Lösung haben auch wir an diesem Abend nicht gefunden. Aber es hat gutgetan, gemeinsam darauf zu schauen und zu merken: Wir ringen alle mit denselben Fragen.
Wer zu diesem Thema weiterlesen möchte, findet in unserem FAQ einen ausführlichen Artikel: Autismus und die Pubertät bei Jungen und Mädchen.
Der weitere Austausch des Abends war persönlicher Natur und bleibt in der Runde. Aber schon dieser eine Gedanke hat den Abend gefüllt.
Und ein kleiner Vorteil zum Schluss
Dass wir nur zu dritt waren, hatte übrigens noch einen ganz handfesten Vorteil: Die Snacks, die ein Mitglied mitgebracht hatte, mussten nur durch drei geteilt werden. Man muss die kleinen Freuden ja auch mitnehmen.
Ab September sind die Ferien vorbei – und wir freuen uns darauf, wieder in größerer Runde zusammenzukommen.