Start Vorschule Frage 4

Welche Therapie- und Fördermöglichkeiten gibt es für Kleinkinder?

Es gibt viele verschiedene Förderansätze für autistische Kinder. Wichtig ist: Nicht jede Methode passt zu jedem Kind. Eine gute Förderung orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen und Stärken Ihres Kindes - nicht an der "Normalisierung".

Grundsätzliche Überlegungen

⚠ Kritische Betrachtung

Meiden Sie Angebote, die "Heilung" von Autismus versprechen oder Methoden verwenden, die das Kind unter Druck setzen, sich anzupassen. Gute Förderung respektiert die autistische Identität und unterstützt die natürliche Entwicklung.

Etablierte Förderansätze

Autismusspezifische Therapie

  • Wird in Autismus-Therapiezentren angeboten
  • Individuell auf das Kind abgestimmt
  • Fördert Kommunikation, soziale Fähigkeiten und Alltagskompetenzen
  • Bezieht oft die Familie mit ein
  • Finanzierung Über Eingliederungshilfe möglich

Frühförderung

  • Für Kinder von Geburt bis Schuleintritt
  • Interdisziplinäre Teams (Pädagogen, Therapeuten, Psychologen)
  • Findet zu Hause oder in Frühförderstellen statt
  • Kostenübernahme durch Sozialhilfeträger oder Krankenkasse

Logopädie (Sprachtherapie)

  • Bei Sprachentwicklungsverzögerungen oder -störungen
  • Unterstützt auch nicht-sprechende Kinder mit alternativer Kommunikation
  • Rezept vom Kinderarzt, Kostenübernahme durch Krankenkasse

Ergotherapie

  • Unterstützt bei Feinmotorik und Alltagsfertigkeiten
  • Hilft bei sensorischen Verarbeitungsschwierigkeiten
  • Fördert Selbstständigkeit im Alltag
  • Rezept vom Kinderarzt möglich

Physiotherapie

  • Bei motorischen Schwierigkeiten
  • Körperwahrnehmung und Koordination
  • Bewegungsförderung

Alternative und ergänzende Ansätze

Unterstützte Kommunikation (UK)

  • Für nicht oder wenig sprechende Kinder
  • Bildkarten, Gebärden, elektronische Hilfsmittel
  • Ermöglicht Kommunikation unabhängig von Sprache

TEACCH-Ansatz

  • Strukturierung der Umgebung
  • Visuelle Hilfen und klare Abläufe
  • Kann in Therapie und Alltag integriert werden

Sensorische Integration

  • Hilft bei Über- oder Unterempfindlichkeiten
  • Oft Teil der Ergotherapie
💡 Weniger ist oft mehr

Überfordern Sie Ihr Kind nicht mit zu vielen Terminen. Autistische Kinder brauchen auch Ruhephasen und freie Spielzeit. Eine gut abgestimmte Förderung ist wertvoller als ein voller Terminkalender.

Wovon Sie Abstand nehmen sollten

  • ABA in traditioneller Form: Verhaltenstherapie, die auf Anpassung statt Verständnis setzt, wird von vielen autistischen Erwachsenen kritisch gesehen
  • Diäten oder Nahrungsergänzungsmittel ohne medizinische Indikation
  • Therapien, die Autismus "heilen" wollen
  • Methoden, die Stimming unterdrucken

Finanzierung

  • Krankenkasse: Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie (mit Rezept)
  • Eingliederungshilfe: Autismusspezifische Therapie, Schulbegleitung
  • Frühförderung: Kostenfreies Angebot
  • Pflegekasse: Entlastungsleistungen bei Pflegegrad